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17.05.09: "Reise in Weltstädte der Musik"
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17. Mai 2009, 20 Uhr, Zeughaus Neuss „Reise in Weltstädte der Musik“
Johann Sebastian Bach Konzert für Klavier und Streicher in f-Moll, BWV 1056 Galina Ustvolskaya Konzert für Klavier und Streicher Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 5 c-Moll Leitung Lavard Skou-Larsen Klavier Lisa Smirnova
Johann Sebastian Bachs Cembalokonzert in f-Moll BWV 1056 ist wahrscheinlich ein umgearbeitetes verschollenes Violinkonzert und entstand nach 1730. Wer heute andächtig diesen geheiligten Klängen Bachs lauscht, sollte sich daran erinnern, dass die Konzerte damals in Leipzig entweder bei Abendunterhaltungen in der Wohnung des Komponisten oder im Kaffeehaus, sogar im Gastgarten gespielt wurden, also eigentlich großartige Unterhaltungs-, ja Tafelmusik sind. Die Besetzungen waren schon zu Bachs Zeit variabel, und der Meister hätte sicher nichts dagegen, sein Stück auf einem modernen Flügel zu hören. Neue Möglichkeiten der Klangerzeugung haben ihn immer fasziniert. Geboren wurde sie in Petrograd 1919, später lebte sie in Leningrad, gestorben ist sie 2006 in St. Petersburg. Das ist natürlich alles ein und dieselbe Stadt, deren Namensänderungen russische Geschichte spiegeln. Es geht um Galina Ustvolskaya, die geniale Schülerin von Dimitri Schostakowitsch. „Alle diejenigen, die meine Musik wirklich lieben, bitte ich, auf eine theoretische Analyse zu verzichten“, so schrieb sie einmal. Die Bezeichnung „Frauenmusik“ lehnte sie als Demütigung ab. Unterlassen wir also jegliche Analyse des 1946 entstandenen Konzerts für Klavier, Streichorchester und Pauken und stellen wir bloß fest, dass die Ustvolskaya mit ihrem typisch russischen Idealismus wie „eine Felseninsel im Meer der Neuen Musik“ dasteht. Die Kulturbürokratie der Sowjetunion warf ihr zu große „Dichte und Hartnäckigkeit“ vor. Genau diese Dichte, diese archaische Wucht ihrer Musik macht die Ustvolskaya zu einer der bedeutendsten komponierenden Kapazitäten des 20. Jahrhunderts, in ihrem Sinne ganz unanalytisch und geschlechtsneutral gesagt. Die Musik-Weltstadt schlechthin ist natürlich Wien, darum gibt es auch so viele Wahl-Wiener unter den großen Komponisten. Der populärste von allen Rheinländern, die sich bleibend an der Donau angesiedelt haben, ist zweifellos Ludwig van Beethoven. Als er am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien die Uraufführung seiner 5. Symphonie dirigierte, war sein Gehörleiden schon weit fortgeschritten, sein musikalischer Feuergeist aber ungebrochen. Das berühmte unerbittlich klopfende Kopfmotiv wurde sofort als das Pochen des Schicksals an die Pforten des menschlichen Lebens verstanden und dieses Etikett ist dem Werk nicht mehr zu nehmen. Wichtiger ist, dass Beethoven in dieser Symphonie in c-Moll das Programm einer klassisch-romantischen Symphonie so schlüssig wie selten in zeitlose Klänge umgesetzt hat. Gegen wahrlich schicksalhafte Widerstände kämpft sich hier ein kreativer Mensch den Weg frei „durch Nacht zum Licht“. Richard Wagner bewunderte an der „Fünften“ das „lyrische Pathos auf dem Weg zur idealen Dramatik“, und der Philosoph Theodor W. Adorno bezeichnete Beethovens Symphonien als „Volksreden an die Menschheit“. Das Pathos ist frisch wie am ersten Tag, und die geniale Klangrede ist volkstümlich im besten Sinne geworden.
Herausgeber der Presseinformation: Deutsche KammerAkademie Neuss
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