 |
|
 |
 |
 |
 |
09.11.08: "Mit Esprit und Gefühl"
|
|
|
9. November 2008, 20 Uhr, Zeughaus Neuss „Mit Esprit und Gefühl“
Jean-Philippe Rameau 3 Suiten für Orchester aus „Tragédies en musique“ „Hippolyte et Aricie“ „Les Sauvages“ (Les Indes Galantes) "Castor et Pollux“ Ludwig van Beethoven Klavierkonzert Nr. 4 (Bearbeitung für Streicher von Beethoven selbst) Leitung und Violine Jérôme Akoka Klavier Andreas Klein
Er war der Sohn eines Organisten und ein schlechter Jesuitenschüler. Mit 18 Jahren beschloss der junge Mann aus Dijon, die Musik zu seinem Beruf zu machen. Bis zum 40. Lebensjahr schlug er sich als Organist durch und war gefürchtet, weil er Verträge nie einhielt. Die Rede ist von Jean-Philippe Rameau, der in der zweiten Hälfte seines Lebens in Paris zum Großmeister der „Tragédie lyrique“ wurde. Der klassische Fall eines Spätentwicklers. Der gefeierte Nachfolger Lullys starb mit 81 Jahren als altmodischer Komponist – kein Wunder, 1764 standen Gluck und Mozart schon in der Tür. In seiner Heimat nie ganz vergessen, hat das 20. Jahrhundert Rameau international neu entdeckt. Er schrieb Musik auf der Höhe der Zeit, er war ein echter Theaterkomponist und konnte musikalische Genrebilder ebenso fein ausmalen wie die hehren Gefühle seiner meist antiken Heldinnen und Helden, garniert mit gallischem Esprit und manchmal mit Witz. In seinen „Tragödien mit Musik“ gibt es orchestrale Zwischenspiele und Ballettmusiken, die barocken Theaterzauber vergnüglich begleiten und auch für sich allein stehen können. „Hippolyte et Aricie“ war 1733 Rameaus erster großer Erfolg. Hippolitos, des Theseus Sohn, liebt Aricia, Priesterin der Artemis und Tochter des letzten Herrschers des von Theseus getöteten Athener Königs. Das kann ja nicht gut gehen, zumindest nicht im ersten Akt – aber im fünften Akt, nach erotischen Kämpfen und Krämpfen der Stiefmutter Phädra, deren pathetischem Selbstmord und mancherlei Intrigengespinst, macht die Göttin der Jagd alles klar, und die Liebenden besteigen den Thron. Dem Volk und sogar den Nachtigallen bleibt nichts anderes übrig als zu jubeln. „Les Indes galantes“ führt uns nicht zu galanten Indern, sondern preist die „Wilden“ im Sinne der Aufklärung als „bessere Menschen“. Das „Ballet héroique“ von 1735 führt uns zu einem „selbstlosen Türken“, der ein Vorläufer von Mozarts Bassa Selim ist, zu den Inkas in Peru, auf ein persisches Fest und zu den Indianern von Illinois. Vier unterschiedlich, aber vorwiegend glücklich endende Liebesgeschichten zwischen alter und neuer Welt gaben Rameau Gelegenheit, die exotische Oper und prachtvolle Musik zu erfinden. Die Zwillinge „Castor et Pollux“ schließlich endeten auch 1737 als Morgen- und Abendstern am göttlichen Firmament, wie es sich für Söhne des Zeus so gehört. Im Theater an der Wien saß 1808 Ludwig van Beethoven noch selbst am Klavier. Die Uraufführung des 4. Klavierkonzerts war erfolgreich, obwohl der „Titan“ hier im Vergleich zum 3. Konzert eine besonders sensible und verinnerlichte Tonsprache pflegte. Die Eleganz dieser Musik passt gut zum Charme Rameaus, zumal in der von Beethoven eigenhändig erstellten Streicherfassung. Das G-Dur-Konzert, gewidmet dem Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich, steht am Höhepunkt der Wiener Klassik, lässt aber in der Intensität des emotionalen Ausdrucks die große Romantik ahnen. Virtuosenkonzert und Symphonie sind zur Einheit geworden.
Herausgeber der Presseinformation: Deutsche KammerAkademie Neuss
|
Nach oben
|
|